Was unterscheidet Modulbau von Containern?

Die Expertenrunde mit Dipl.-Ing. André Triphaus Woltermann, Dipl.-Ing. Jens Vetter sowie Dipl.-Ing. Ronny Bellmann klärt über die spezifischen Merkmale der einzelnen Gebäudelösungen auf und verdeutlicht, welches System für welche Nutzung am besten geeignet ist. Hier geht’s zum Video-Interview auf unserem Youtube-Channel.

  • Worin liegt der Unterschied zwischen einem konventionell und einem modular realisierten Gebäude?

Dipl. -Ing. Ronny Bellmann
„Wenn man es runterbricht, tauschen wir das Tragwerk gegenüber dem konventionellen Bau aus. Das heißt, wir haben unser Stahltragwerk und der konventionelle Bau hat seine massiven Wände und Decken. Das ist eigentlich der wesentliche Unterschied. Ansonsten ist es genauso ein Gebäude mit seinen entsprechenden Grundanforderungen, die es nach der Bauordnung einzuhalten gilt und die wir auch mit solchen Gebäuden eindeutig umsetzen.“

Dipl. -Ing. André Triphaus-Woltermann
„Beim Modularen Bauen reden wir erst einmal über Standzeiten, die dem konventionellen Bauen in Nichts nachstehen. Das heißt 50 Jahre für ein Projekt sind überhaupt kein Problem. Modulares Bauen ist genauso langlebig, wie alle massiv gebauten Bauteile auch. Wir bauen u. a. auch modulare Kliniken, Krankenhäuser oder OP-Säle und diese Gebäude sind vom Massivbau nicht zu unterscheiden. Das heißt, alle Ansprüche und Anforderungen werden genauso wie im konventionellen Bauen realisiert.“

  • Welche Unterschiede gibt es bei den Genehmigungen?

Dipl. -Ing. Ronny Bellmann
„Das ist in Deutschland nicht so einfach. Es bedeutet ja, dass es Bauweisen gibt, die, wenn sie neu erfunden werden, noch nicht geregelt sein können. Das betrifft die Containerbauweise ebenso wie die Modulbauweise. Es gibt die sogenannten Grundanforderungen: Standsicherheit, Brandschutz, Erschütterungsschutz. Hinzukommt, dass man mit seinem Bausystem natürlich auch die Anwendbarkeit oder die Verwendbarkeit nachweisen muss. Im Bereich des Brandschutzes gehen wir dort einen besonderen Weg. Wir haben eine allgemeine Bauartgenehmigung erworben, was seit 2016 im Rahmen der Musterbauordnung eingeführt wurde und seitdem auch erst umsetzbar ist. Somit können wir den Brandschutz mit der allgemeinen Bauartgenehmigung nachweisen und die Bauart sozusagen in Verkehr bringen.“

  • Was macht die Planungsphase bei einem konventionell und einem modular realisierten Gebäude aus?

Dipl. -Ing. Jens Vetter
„Die Herausforderung ist, dass der Ablauf bei der Planung ein anderer ist als beim konventionellen Bauen. Wir müssen frühzeitig alle Details festlegen, damit wir auch frühzeitig die Freigaben für die Ausführungsplanung bekommen. Erst dann können wir mit der industriellen Vorfertigung im Werk starten. Das ist ein grundlegender Unterschied zum konventionellen Bau.“

Dipl. -Ing. Ronny Bellmann
„Prinzipiell ist es so, dass wenn ein Auftrag erteilt wurde, klassischerweise mit den bautechnischen Nachweisen begonnen wird. Das bedeutet in Deutschland als erstes, das Gebäude statisch konstruktiv zu bemessen. Auf Grundlage dieser Ausführungsplanung und der statischen Berechnung wird dann seitens der Arbeitsvorbereitung die sogenannte Werkplanung erstellt. Die Arbeitsvorbereitung konstruiert dann die einzelnen Module. Nach dem Stahlrahmenbau geht es in der Ausbauhalle weiter, wo schließlich Boden, Dach, Wände, Fenster, Türen in genau der Abfolge eingebracht werden. Zudem wird der geplante Ausbauzustand definiert. Im Anschluss geht es für die Module auf die Baustelle, wo Sie zu zum Gebäude gefügt werden.“

Dipl. -Ing. André Triphaus-Woltermann
„Der persönliche Einsatz für den Kunden ist überschaubar, denn wir sind, was das Modulare Bauen angeht, Profis. Von daher sind wir sehr komprimiert in der Anfangsphase unterwegs, weil wir unter dem Aspekt LEAN Production durch die Produktion gehen, damit wir nachher auch in mit LEAN Construction auf der Baustelle zum Ergebnis kommen. Wie Herr Bellmann bereits gesagt hat, sollte die Arbeitsvorbereitung geordnet ablaufen. In diesem Bereich sind wir sehr strukturiert, sodass wir den Kunden an die Hand nehmen können und er die Sicherheit hat, nichts zu vergessen.“

  • Gibt es Qualitätsunterschiede zwischen modularem und konventionellem Bauen?

Dipl. -Ing. André Triphaus-Woltermann
„Es gibt keine Qualitätsunterschiede in der Form, dass man sagt, der Modulbau macht irgendwelche Abstriche. Ganz im Gegenteil. Das, was sich der Kunde wünscht, lässt sich auch realisieren. Das kann je nach Budget und je nach Kundenvorstellung sehr unterschiedlich sein. Von daher sind dem keine Grenzen gesetzt.“

  • Welche Unterschiede ergeben sich für den Architekten, wenn es um Modulbau geht?

Dipl. -Ing. André Triphaus-Woltermann
„Wenn man über Modulbau spricht, haben Architekten oftmals eine etwas andere Vorstellung von dem, was wir unter Modulbau verstehen. Man denkt, man wäre eingeschränkt. Jedoch ist das nicht so. Wir können jegliche Art von Fassade realisieren, ob es eine Holzfassade, eine Pfosten-Riegel-Konstruktion oder eine Glasfassade ist. Das alles ist möglich. Organische Formen finden wir nicht häufig im Modulbau vor. Wenn es jedoch darum geht, dass wir eine etwas andere Formsprache benötigen, wenden wir uns natürlich auch dem Massivbau zu, das heißt, wir kombinieren Modulbau und Massivbau und erstellen hybride Gebäude.“

Dipl. -Ing. Ronny Bellmann
„Wir können auch ein Vieleck bauen oder andere Konstruktionslösungen, in dem wir z. B. einen Innenhof mit einer Lichtkuppel versehen. So sind wir komplett frei und individuell.“

Dipl. -Ing. André Triphaus-Woltermann
„Also wir können sagen, dass wir noch keine Bauanfragen, die zu uns gekommen sind, ablehnen mussten, weil sie nicht realisierbar gewesen wären.“

  • Was sind die wesentlichen Unterschiede zwischen Containerbau und Modulbau?

Dipl. -Ing. Jens Vetter
„Der Modulbau ist die hundertprozentige Alternative zum klassischen, konventionellen Bauen, während der Containerbau eine sehr gute Lösung für temporäre Gebäude ist.

Dipl. -Ing. André Triphaus-Woltermann
„Man muss eben unterscheiden, ab wann beginnt der Modulbau?  Ich glaube, dort, wo eine Langzeitbetrachtung anvisiert wird, kommt der Modulbau zum Einsatz.“

  • Warum sind Container nur für eine begrenzte Nutzungsdauer genehmigungsfähig?

Dipl. -Ing. Jens Vetter
„Das GEG (Gebäude Energie Gesetz) macht da eine klare Differenzierung beziehungsweise eine klare Vorschrift, dass Container bis zu 5 Jahren eingesetzt werden dürfen. Danach muss eine neue Berechnung für das gesamte Gebäude gemacht werden, in der auch die Heiztechnik, die Elektroinstallationen und die technische Gebäudeausrüstung mit einfließen.“

Dipl. -Ing. Ronny Bellmann
„Wir haben keinen so genannten klassischen fliegenden Bau und deswegen unterliegt auch eine Containeranlage einer Baugenehmigung. Das heißt, ich stelle einen Bauantrag und muss dann dort die Standsicherheit, den Brandschutz und die Energieeinsparverordnung nachweisen. Also die Grundanforderungen gemäß Musterbauordnung. Im Bereich der Containerbauweisen haben wir Typenstatiken und das ist sehr gut für eine schnelle Genehmigungsfähigkeit hinsichtlich Standsicherheit.

Dipl. -Ing. Jens Vetter
„Bei den Containergebäuden ist es der Raumabschluss, der eine Herausforderung darstellt, den Brandschutz nachzuweisen. Man bediente sich da in der Vergangenheit einem Naturbrandversuch, bei dem eine Containeranlage einem Vollbrand ausgesetzt und im Anschluss geprüft wurde, ob das Tragsystem hält oder nicht.  Das ist allerdings kein normgerechter Nachweis, dient aber unseren Kunden und den Projektbeteiligten dazu, das Produkt bewerten zu können. Hier ist eine schutzzielorientierte Betrachtung erforderlich. Das heißt, es wird geschaut, welche Anforderungen habe ich an das Gebäude und kann ich durch Kompensationsmaßnahmen wie zusätzliche Fluchtwege oder Brandmeldeanlagen diese ein Stück weit kompensieren bzw. runterschrauben und somit ein Gebäude temporär genehmigt bekommen.“

Dipl. -Ing. André Triphaus-Woltermann
„Bei den temporären Gebäuden nimmt das Thema der Genehmigungen einen großen Raum ein. Deswegen bin ich so froh, dass wir jetzt für das Modulare Bauen die allgemeine Bauartgenehmigung erwirkt haben. Hinten raus haben wir eine klare Genehmigungsfähigkeit, die ohne Weiteres und ohne, dass es irgendwelche Einschränkungen gibt, auch erteilt werden kann.“

  • Gibt es neben dem Modulbau und Container noch weitere mobile Raumsysteme?

Dipl. -Ing. Jens Vetter
„ModuLine ist das Produkt aus beiden Welten. Durch die Standardisierung hat man eine schnelle Verfügbarkeit und gleichzeitig werden die Konstruktion und die Vorteile des Modularen Bauens genutzt. So können wir z.B. die allgemeine Bauartgenehmigung, die wir für das Modulare Bauen erwirkt haben, einsetzen. Das heißt, der Genehmigungsprozess ist für den Kunden und für die am Bau Beteiligten gesichert.“ 

Dipl. -Ing. André Triphaus-Woltermann
„Mit ModuLine bieten wir unterschiedliche Lösungen an. Beispielsweise ein Bürogebäude, was ein Kunde für den Zeitraum von sieben oder zehn Jahren mieten möchte. Besonders wenn die Nutzungsdauer noch nicht final geklärt ist, kann der Kunde ein Bürogebäude mieten. Wenn es nicht mehr gebraucht wird, dann holen wir das Gebäude wieder ab und bauen es entsprechend zurück. So ist der Kunde bei KLEUSBERG gut aufgehoben, weil er einfach zwischen den unterschiedlichen Systemen, die wir anbieten, das passende Produkt finden kann.“

  • Was ist bei der Ausschreibung zu beachten, um vergleichbare Angebote zu erhalten?

Dipl. -Ing. André Triphaus-Woltermann
„Wenn wir bei den öffentlichen Ausschreibungen bleiben, haben wir die Spezifika, dass wir mit unterschiedlichen Fachbegriffen jonglieren. Eine Behörde schreibt z. B. „Modulares Bauen“ gedanklich aus, verwendet aber häufig den Begriff „Container“. Hier ist es wichtig, dass man eben in der Ausschreibung sauber bleibt und genau nach dem ausschreibt, was man wirklich haben möchte.“

Dipl. -Ing. Jens Vetter
„Um ein bisschen Licht ins Dunkle zu bringen, ist es glücklicherweise 2020 zu einer Zusammenkunft der RWTH Aachen, dem Bauministerium des Landes Nordrhein-Westfalen und den führenden Raumzellenherstellern gekommen. Dort wurde beschlossen, die Wörter Containerbau und Modulbau künftig komplett zu streichen, um das Wording ein wenig zu vereinfachen. Stattdessen wurde eine neue Klassifizierung aufgestellt. Man spricht nun von Raumzellen Typ 1 bis 3, wobei der klassische Container, wie wir ihn für den temporären Einsatz kennen, der Raumzellentyp 2 ist. Das Modulare Bauen mit Stahlrahmenmodulen gehört dem Raumzellentyp 3 an. Damit ist eine gewisse Neutralität für das Wording gewährleistet.“

Dipl. -Ing. Ronny Bellmann
Der Praxisleitfaden ist durch das Ministerium für Bau in Nordrhein-Westfalen eingeführt worden, sodass natürlich für alle Planer im Bundesland Nordrhein-Westfalen eindeutig definiert ist, was ausgeschrieben wird. Typ 3: Modulares Bauen oder Typ 1 und 2: Containerbauweisen. Dieser Entschluss bringt für alle eine gewisse Deutlichkeit und Richtigstellung, auch für die ausschreibenden Stellen und für die Bauaufsichtsbehörden.“

Dipl. -Ing. Jens Vetter
„Zusätzlich ist in dem Praxisleitfaden der Schwerpunkt auf den Brandschutz gelegt worden. Das heißt, es wird nochmal klar dargelegt, welche Nachweise zu erbringen sind. Auch abgezielt auf die Raumzellen Typ 2 und Typ 3. Das hilft den am Projekt Beteiligten, besser mit der Bauweise umzugehen.“

  • Was unterscheidet KLEUSBERG von anderen Anbietern?

Dipl. -Ing. André Triphaus-Woltermann
„Wirklich herausragend bei KLEUSBERG ist, dass wir in der Eigenfertigung mit sehr vielen Beschäftigten unterwegs sind, die im Unternehmen Tag für Tag den Spirit rüberbringen, an dem Produkt und somit auch an der Baustelle zu arbeiten. Wir haben Hunderte von Mitarbeitern in unseren Werken, die genau das vorleben und verkörpern. Ich glaube, wenn man bei KLEUSBERG durch die Produktionshallen geht, merkt man sofort, dass dort Enthusiasmus für das Bauen herrscht und KLEUSBERG auch für diesen Enthusiasmus steht.“

 

* Das vollständige Interview im Video.

 

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