Digitalisierung im Bauwesen - Was ändert sich auf der Baustelle?

Eine vollautomatisierte Baustelle, ähnlich wie die Smart Factorys in der Industrie, wird es auch auf lange Sicht nicht geben. Denkbar sind jedoch teilautomatisierte Arbeitsprozesse, bei denen die Menschen von Robotern oder ähnlichen Systemen unterstützt werden. Auch hierbei spielen die Daten eine entscheidende Rolle. Wie eine solche Unterstützung aussieht, kann man bereits jetzt bei den Erdarbeiten mit 3D-Maschinensteuerungen erkennen, die ihre Planungsdaten per BIM erhalten und ihre Position durch GPS-Empfänger bestimmen. Die Maschinisten oder Baggerführer erhalten auf Ihren Displays klare Anweisungen. Datenbrillen können ebenfalls eine digitale Unterstützung und Neuerung auf der Baustelle sein, mit denen Handwerker im Rahmen von Augmented Reality bei ihrer Arbeit unterstützt werden. Dabei werden Einbau- oder Wartungshinweise in das Sichtfeld der Brille eingespielt. Mittels dieser AR-Brillen können sich Bauherren auf der Baustelle auch 3D-Objekte in den Raum hineinprojizieren lassen. So lassen sich beispielsweise die Größe und Position von Einbauten direkt am Objekt beurteilen.

Ein weiterer Trend zur digitalen Unterstützung ist der Einsatz mobiler Endgeräte wie Tablets. Damit ausgestattet können Bauherren zusammen mit ihren Bau- und Projektleitern anhand der aktuellen und konkreten Planungsdaten die Baufreigaben durchführen, beziehungsweise auf ein effizientes Mängelbeseitigungsmanagement zugreifen. Die Durchführung von Revisionen sowie die stichhaltige Beweissicherung sind damit einfacher möglich und die aktuellen Daten bzw. Informationen liegen sofort allen beteiligten Unternehmen vor. Laut des Digitalisierungsindex Mittelstand 2019/2020 können sich bereits 77 % der Unternehmen mit neuen digitalen Services im Wettbewerb besser behaupten.

Was ist Fiktion, was ist jetzt schon Realität für die Bauherren?
Erste Unternehmen haben bereits zahlreiche Möglichkeiten der Digitalisierung umgesetzt oder befinden sich mit vielen Projekten bereits in der Umsetzungsphase. Der Hersteller von Modulgebäuden KLEUSBERG ist exemplarisch dafür.

Stefan Kleusberg, geschäftsführender Gesellschafter: „Wir sind sehr frühzeitig mit der Digitalisierungsstrategie in unserem Unternehmen gestartet und haben BIM bereits im produktiven Einsatz. Auch die mobile, digitale Unterstützung unserer Bau- und Projektleiter auf den Baustellen steht kurz vor der Einsatzreife. An ganz vielen Stellen in unserem Unternehmen werden weitere Projekte zur digitalen Transformation umgesetzt. Wir machen das nicht, weil wir damit zu den Trendsettern zählen wollen oder aus vordergründigen PR-Zwecken. Wir machen es, weil es für unsere Kunden und uns konkrete, greifbare Vorteile bringt. Als ganzheitlicher Anbieter und Generalunternehmer für modulare Gebäudelösungen mit serieller Vorfertigung in unseren Werken zählen wir zu den größten Profiteuren der Digitalisierung. Sie ermöglicht uns noch mehr Effizienz, Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und auch Individualität. Das alles geben wir an unsere Bauherrn weiter. Ich denke, die modulare Bauweise und die neuen digitalen Möglichkeiten ergänzen sich hervorragend und das moderne, systemische Bauen wird seine Wettbewerbsvorteile gegenüber herkömmlichen Bauweisen weiter deutlich ausbauen, weil es am besten die Zukunftsanforderungen unserer Auftraggeber erfüllt.“

Einführung eines Planmanagementsystems
In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut beschäftigte KLEUSBERG sich intensiv mit der Einführung eines Planmanagementsystems für die Baustelle, durch das viele analoge und papiergebundene Prozesse digitalisiert und in effizientere Prozesse überführt werden. So war es einer der ersten Schritte, die Pläne eines Projekts zu digitalisieren und via Smartphone und Tablet auf der Baustelle verfügbar zu machen. Insgesamt soll durch die Umstellung mehr Transparenz innerhalb der Arbeitsgruppen geschaffen, für einen schnelleren Informationsfluss gesorgt und eine bessere Verknüpfung aller Informationen erzielt werden. In gemeinsamen Workshops wurden Erwartungen abgefragt, Zielstellungen präzisiert und die IST-Situation erfasst. Auch das digitale Mängelmanagement und Bautagebuch stellen nützliche Features dar, die den am Bau beteiligten Personen die Arbeit erleichtern sollen. Im Rahmen der Workshops konnten einige Softwareanbieter angefragt und im Rahmen einer Testphase die möglichen Systeme bewertet werden.

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