Räume für Kinder

Sich wandelnde Familien- und Arbeitsmarktstrukturen wirken sich auch auf Kindertagesstätten und deren multifunktionale Bedeutung aus. Es steht nicht mehr nur die reine Betreuung und Erziehung der Kinder im Vordergrund, die gesamte Familie rückt in den Focus. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, eine bestmögliche Integration von Kindern und Eltern anderer Nationalitäten und somit gleiche Chancen für Kinder aller Lebenslagen und -bedingungen werden gefordert. Das Ganztagsangebot nimmt deutlich zu, die Kinder verbringen noch mehr Zeit in ihrer Betreuungseinrichtung, als es noch vor 10 Jahren der Fall war. Eine Kita dient als eine Art unterstützendes Bindeglied in der Gesellschaft, bei dem Kindererziehung und Familienbildung zusammenkommen. Der Wandel zeigt sich auch darin, dass immer mehr Väter Elternzeit in Anspruch nehmen, um ihren Sprösslingen näher zu sein. Früher sind Kinder lediglich in Kitas gegangen, wenn die Mutter arbeiten musste. Ansonsten fand die Betreuung zu Hause statt. Das einseitige Rollenbild hat sich geändert.

Kita-Konzepte von heute
Mit den vielfältigen Betreuungsangeboten sind auch die Ansprüche an die Qualität einer Einrichtung gestiegen. Neben körperlichen, sozialen und geistigen Basiskompetenzen kommt insbesondere der Persönlichkeitsentwicklung und den individuellen Fähigkeiten, die zur Bewältigung des späteren Lebens erforderlich sind, eine hohe Bedeutung zu. Kindertagesstätten gelten als förderliche und anregende Umgebung. Das kindliche Grundbedürfnis nach Schutz, Geborgenheit und Sicherheit muss erfüllt sein, um Kinder zu befähigen, ihre Umgebung angstfrei zu erkunden und das Gefühl von Freiheit zu erleben. Eine Betreuungseinrichtung sollte sowohl Räume für Bewegung als auch solche für Ruhe und Entspannung bieten. Durch Bewegung bauen Kinder ihre motorischen Fähigkeiten aus und gewinnen an Geschicklichkeit. Licht, Farben und Akustik üben dabei starken Einfluss auf das Wohlbefinden aus. In vielen Kitas ist es lauter als auf einer Baustelle. Dabei ist die Raumakustik wichtig, um eine gute Sprachverständlichkeit sowie ein optimales Hörerlebnis zu ermöglichen. Bei der Beleuchtung wird der Fokus klar auf Tageslicht gelegt. Es hat eine positive Wirkung auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen und ermöglicht Kindern vielfältigere Sinneswahrnehmungen. Da insbesondere an Wintertagen zusätzlich künstliche Beleuchtung erforderlich ist, wird gerne auf warmweißes Licht mit einer Farbtemperatur von unter 3300 Kelvin zurückgegriffen. Erfahrungsgemäß wirkt es gemütlich und behaglich.

baukind als Spezialist kindgerechter Architektur
Wie eine Raumausstattung im Detail am Ende aussieht, hängt zunächst stark von dem pädagogischen Konzept einer Kindertagesstätte ab. Diese sind mittlerweile weitreichend: Ob Bauernhofkindergarten, Freinet-Kindergarten, Fröbel-Kindergarten, Kneipp-Kindergarten, Montessori-Kindergarten oder beispielsweise Waldorf-Kindergarten – das Wohlbefinden der Kinder steht immer im Vordergrund der pädagogischen Arbeit. Die untergeordneten Ziele jedoch unterscheiden sich zum Teil stark voneinander.

Das Architektur- und Designbüro baukind aus Berlin bewegt sich seit Jahren kreativ zwischen den strengen gesetzlichen Vorgaben und den architektonischen Möglichkeiten einer kindgerechten Architektur – immer mit Blick auf die Bedürfnisse der Kinder. Rund 100 Projekte für unterschiedlichste Pädagogikkonzepte hat das Planungsbüro bereits realisiert. So beispielsweise eine Kita für die FRÖBEL Bildung und Erziehung gGmbH, deren Grundpfeiler auf der Beziehung, Individualisierung und Partizipation liegen. Die Kinder sollen in der Einrichtung alle Räume selbstständig erschließen und entsprechend ihrer Entwicklung begleitet werden. In der Kita Weltenbummler in Berlin wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt. Ergänzend zur Kinderbetreuung werden familienbegleitende Angebote integriert. Die entwicklungszentrierte und kindorientierte Betreuung in altershomogenen Gruppen steht hier im Mittelpunkt.

Räume für Kinder

Kindertagesstätte in Modulbauweise
Als drittes Beispiel ist die Kita KiKu Kinderland im Berliner Ortsteil Mahlsdorf zu nennen, die KLEUSBERG in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro baukind errichtet hat. Es handelt sich um einen Neubau in Modulbauweise, der sich auf einem langen aber schmalen Grundstück befindet und daher als gestreckter Gebäuderiegel umgesetzt wurde. Durch den Wechsel von Einschnitten und Vorsprüngen gliedert sich der Baukörper. Gleichzeitig wird das Erscheinungsbild aufgelockert. Die Einschnitte bilden sowohl außen als auch im Innenraum Nischen, die bespielt und belebt werden. Ob als Bühnennische mit Sitzempore, eine Pflanznische im Sinne des Urban Gardening, Klanginstallationen oder ein Spiegelkabinett, das die gewohnte Raum- und Selbstwahrnehmung auflöst. Diese Erlebnisnischen sind sensorisch, optisch und akustisch erfahrbar und stellen damit einen pädagogischen Mehrwert dar.

Ein offener Vorplatz der Kita ist auch für Nachbarn frei zugänglich und wird daher zum Austausch und zur Gemeinschaft genutzt. Er steht als sozialer Ort im Einklang mit der Philosophie des Trägers Kinderzentren Kunterbunt, der für die Kinder eine offene Gesellschaft erlebbar machen möchte.

Räume für Kinder

Grafik: baukind Architekten 

Gestaltung auf Augenhöhe – das Buch von baukind Architekten
In dem neuen Buch „Räume für Kinder“ geht die Gründerin und Architektin Nathalie Dziobek-Bepler, die selbst Mutter von 3 Kindern ist, darauf ein, wie Architektur und Innenraumgestaltung die Entwicklung der Kleinsten fördern können. Ausgehend von historischen und aktuellen reformpädagogischen Konzepten werden Gestaltungsprinzipien für den Kitabau skizziert, die sich auch auf andere Räumlichkeiten wie Kinderarztpraxen übertragen lassen. Auch das Modulgebäude von KLEUSBERG wird umfangreich vorgestellt und eindrucksvoll bebildert.

Im Interview auf YouTube meldet Nathalie Dziobek-Bepler sich persönlich zu Wort.  

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